Einfache Sprache im Museum: Ein Gewinn für alle

Das Museum für Gestaltung Zürich setzt auf Einfache Sprache
Das Museum beschreibt Ausstellungen zusätzlich in Einfacher Sprache. Davon profitieren alle. Warum nutzt das Museum nicht nur diese Form? Mehr dazu im Blogbeitrag.
Bild: Lisa Rigendinger
Inhalt:

Die Ausstellung «More than Human. Design mit der Natur»

Klimakrise und Artensterben: Unsere Lebensräume sind akut bedroht. Die Ausstellung im Museum für Gestaltung Zürich zeigt mit aktuellen Projekten, wie Design natürliche Ökosysteme schützt – gemeinsam mit Wissenschaft, Architektur, Kunst und Technologie.

Zur Ausstellung ist ein Text in Einfacher Sprache verfügbar. Er liegt gleich neben dem Text in Deutsch, beschriftet mit «Einfach gesagt». 

In zwei Boxen liegen Texte zur Ausstellung More than Human. Design mit der Natur: in Deutsch und Einfach gesagt
Ausstellungsinfos in Deutsch und Einfach gesagt

Mit Tieren und Pflanzen durchs Jahr

Die Ausstellung möchte, dass wir die Welt anders anschauen. Dies zeigt der Naturkalender von Marcus Coates eindrücklich. Der britische Künstler listet darin markante Momente auf, die sich im Laufe eines Jahres in der Natur ereignen. Der Kalender tapeziert eine ganze Wand. Beim 26. März steht: Die ersten Blätter der Hasel erscheinen.

Die Texte im Verständlichkeits-Check

Ich überprüfe die beiden Ausstellungstexte mit Wortliga. Das Tool erstellt einen Verständlichkeits-Index zwischen 0 und 100. Dafür berücksichtigt es zum Beispiel die durchschnittliche Satz- und Wortlänge eines Textes. Es erkennt auch, ob im Text viele Substantive anstelle von Verben stehen. Ab 60 Punkten ist ein Text allgemein verständlich. Das Tool bestimmt auch die Sprachstufe. Texte sind lesefreundlich bei Sprachstufe B1 oder B2.

«Einfach gesagt» ist verständlicher

Der Text «Einfach gesagt» erreicht bei der Verständlichkeit einen Wert von 88 von 100 Punkten und Sprachstufe B1. Damit ist er viel verständlicher als der normale Text mit einem Wert von 44 Punkten und Sprachstufe C1. Lange Sätze und viele Substantive erschweren hier die Verständlichkeit.

Direkte Ansprache: der Draht zu den Lesenden

In «Einfach gesagt» heisst es «wir Menschen». Die Wir-Form spricht mich direkt an und spannt einen Draht zu mir als Leserin. Und sie nimmt uns alle in die Pflicht, im Gegensatz zum normalen Text. Da ist die Rede von «die Menschen». Das ist unpersönlich und schafft Distanz.

Warum nicht nur in Einfacher Sprache informieren?

Der Text «Einfach gesagt» ist wesentlich zugänglicher: Er erreicht das breite Publikum besser. Warum bietet das Museum nicht ausschliesslich die Information in Einfacher Sprache an, auch auf der Website? So würde das Museum die Türen zu den Ausstellungen viel weiter öffnen. Einfache Sprache im Museum kommt allen entgegen.

Der Naturkalender in meiner Küche

Den Naturkalender gibt es zum Mitnehmen. Er hängt nun in meiner Küche und erinnert mich täglich an den neuen Blick. Ich freue mich schon auf den Ruf der (männlichen) Kuckucke im Süden. Laut Kalender kommen sie am 11. April aus Subsahara-Afrika und fangen an zu rufen. Vielleicht sind sie dieses Jahr schon an Ostern wieder da?

Die Ausstellung dauert noch bis 31. Mai 2026.

More than Human. Design mit der Natur

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